Meine persönlichen Erfahrungen
mit Medikamenten


Ich bekomme immer wieder e-mails, in denen mir Fragen zur Medikation beim idiopathischen RLS und PLMS gestellt werden. Hierzu hab ich Euch auf dieser Seite meine bisherigen Erfahrungen zusammengestellt.


Vorweg möchte ich sagen, daß eine medikamentöse Ein- bzw. Umstellung keinesfalls ohne Abstimmung und Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen darf.

portal zu den 4 schlafstörungen







zurück zum menü
unsere suchmaschinen

Da ich selbst nur Laie bin, kann ich auch keine fachmännischen Ratschläge geben, sondern Euch nur von meinen eigenen Erfahrungen berichten.

Ein Tip für alle, deren RLS/PLMS medikamentös behandelt wird: Ihr solltet 2 Dinge immer bei Euch tragen:

  • einen Medikamentenpaß, z.B. den Europäischen Notfallausweis (ENA)
  • den Leitfaden für Anästhesisten

  • Generell gilt: Es gibt - wie bei vielen anderen Erkrankungen auch - kein allgemeingültiges Rezept in der RLS-/PLMS-Therapie: Jeder muß (bedauerlicherweise) für sich selbst herausfinden, welche/s Medi/s und welche Dosis das/die richtige für ihn ist. Dies herauszufinden kann unter Umständen ein sehr langer Prozeß sein und es macht Sinn, sich mal für wenigstens 2 Wochen genau zu beobachten und alles zu protokollieren (insbesondere Dauer und Zeitpunkt der auftretenden Symptomatik). Entsprechende Schlaftagebücher, bei denen auch der Tagesablauf mit berücksichtigt wird, könnt Ihr hier downloaden:

  • Schlaftagebuch I
  • Schlaftagebuch II
  • .

    Die so gewonnen Erkenntnisse sollten unbedingt auch dem behandelnden Arzt mitgeteilt werden. Die Tatsache, daß die unten genannten Medikamente (mit Ausnahme von "Restex") Präparate aus der Parkinson-Therapie sind, verunsichert viele RLS- und PLMS-Betroffene - besonders dann, wenn sie die lange Liste der Nebenwirkungen des jeweiligen Medikaments lesen. Hierzu ist anzumerken, daß - wie bei allen Medikamenten - auch bei der RLS-/PLMS-Therapie Nebenwirkungen auftreten können, aber nicht müssen. Gerade deshalb ist es sehr wichtig, sich einen Neurologen zu suchen, der sich wirklich mit RLS/PLMS auskennt und entsprechende Ängste abbauen kann. Allerdings darf man auch nicht vergessen, daß in der RLS-/PLMS-Therapie bislang noch keine Erkenntnisse über eine Langzeitbehandlung mit diesen Medikamenten vorliegen.


    Levodopa:

    Medikamente mit den Wirkstoffen Levodopa - auch L-Dopa genannt - in Kombination mit Benserazid bzw. Carbidopa sind die "Mittel der ersten Wahl" in der Behandlung des RLS und PLMS (="Einstiegsmedikament"). Es gibt unter anderem folgende L-Dopa-Präparate auf dem Markt: "Madopar", "Nacom" und seit kurzer Zeit "Restex" - das erste speziell für RLS zugelassene Medikament, das aber im Grunde nichts anderes ist als "Madopar" unter neuem Namen.

    L-Dopa-Präparate wirken bereits kurz nach Medi-Einnahme für eine Dauer von ca. 4 h. Inzwischen weiß man allerdings, daß sich bei Betroffenen bei Langzeiteinnahme häufig ein sog. "Rebound-Effekt" einstellt; d.h. daß sich die RLS-Symptome in den Tag verschieben und sich ggf. sogar verstärken. Viele - auch Ärzte - neigen in diesem Fall dazu, die Einzeldosis zu erhöhen. Dies ist aber wenig sinnvoll, da hierdurch die Wirkungsdauer des Medikaments nicht verlängert werden kann. Die Erhöhung der Einzeldosis macht nur dann Sinn, wenn unter der jetzigen Dosierung nur eine geringe Wirkung erzielt werden kann.

    Falls dieser Rebound-Effekt eintritt und/oder die Einzeldosis nur unzureichend wirkt, ist es ratsamer, die Tagesdosis zu erhöhen (d.h. eine weitere Einnahme einige Stunden später oder früher)

    oder

    auf ein Retardpräparat umzusteigen (z.B. "Madopar Depot"). Bei den Retardräparaten wird der Wirkstoff verzögert abgegeben und i.d.R. eine längere Wirkungsdauer erzielt.

    Sofern dies alles nicht zum gewünschten Erfolg führt und insbesondere, wenn die Tagesdosis von 400 mg L-Dopa überschritten würde, ist zu empfehlen, auf einen Dopaminagonisten bzw. auf eine Kombinationstherapie aus L-Dopa und Dopaminagonisten umzusteigen.

    Aber Achtung!!!
    Unabhänig davon, auf welche/s Medikament/e man umsteigt: Die bisherige Medikation muß langsam "ausgeschlichen" werden (d.h. die Dosis wird nach und nach in kleinen Schritten reduziert), während das neue Medikament langsam "eingeschlichen" (also die Dosis nach und nach gesteigert) wird.


    Dopaminagonisten:

    Dopaminagonisten ("Sifrol", "Cabaseril", "Parkotil" etc.) haben eine längere Halbwertszeit als die o.g. L-Dopa-Präparte und ihre Wirkung hält somit länger an. Die Wirkung tritt ca. 2 h nach Medi-Einnahme ein. Auch hier gilt zur Dosissteigerung das gleiche wie für L-Dopa-Präparate: ist eine Wirkung gegeben, sollte nicht die Einzel-, sondern die Tagesdosis gesteigert werden. Ggf. macht es auch Sinn, einen "Medikamenten-Cocktail" aus L-Dopa und Dopaminagonisten einzunehmen.

    Zu den einzelnen Dopaminagonisten, die ich ausprobiert habe, ist folgendes zu sagen:

    Sifrol:
    hat eine Wirkungsdauer von ca. 12 h (kann im Einzelfall auch länger oder kürzer sein). Sifrol hat zugleich einen ermüdenden Effekt und sollte daher nur abends eingenommen werden. Wer ohnehin schon unter enormer Tagesmüdigkeit leidet, sollte sich unbedingt genau beobachten, wie er auf eine Behandlung mit Sifrol reagiert.

  • Weitere Infos zu: Sifrol


  • Cabaseril:
    hat eine Wirkungsdauer von ca. 24 h (kann im Einzelfall auch länger oder kürzer sein). Cabaseril hat zugleich einen wachmachenden Effekt und sollte daher nur morgens eingenommen werden. Wer unter Einnahme von Cabaseril mit einer Verschlechterung der Schlafqualität reagiert, sollte ggf. auf ein anderes Medikament umsteigen.

  • Weitere Infos zu: Cabaseril


  • NMDA-Antagonist:

    PK-Merz:
    hat eine kürzere Wirkungsdauer als Cabaseril und Sifrol und ebenfalls einen wachmachenden Effekt.

  • Weitere Infos zu: PK-Merz

  • Für alle Medikamten gilt, daß sie langsam aufdosiert ("eingeschlichen") und bei Medikamentenwechsel langsam "ausgeschlichen" werden müssen. Parallel zum Ausschleichungsprozeß wird das neue Medikament "eingeschlichen". Einige Betroffene haben während der Medikamentenumstellung mit Nebenwirkungen wie starker Übelkeit, Erbrechen, Kreislaufproblemen etc. zu kämpfen. Das gibt sich erfahrungsgemäß nach einigen Tagen/Wochen (hängt vom Einzelfall ab). Gegen die Übelkeit haben mir persönlich Motilium-Tropfen gut geholfen.

    Ganz wichtig ist auch eine regelmäßige Einnahme der Medikamente. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich für den "Notfall" (wenn's mal schnell gehn muß) "Madopar LT" empfehlen. Dieses L-Dopa-Präparat ist löslich und wirkt innerhalb von 10 Minuten. Ich nehme das zwischendurch, wenn die RLS-Attacken unerträglich sind oder wenn z.B. ein Kinobesuch etc. ansteht.

    Anmerken möchte ich noch, daß viele Antidepressiva das RLS auslösen und/oder verstärken können. ggf. müßte hier dann ein anderes Präparat gewählt werden.

    weiter zu: Information



    zurück zum menü



    aktualisiert am: 18.04.2004